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Die Luftschlacht von Verdun

vom 08/04/2016

Vadelaincourt 1916. Jäger des Typs "Nieuport" - © BDIC

Es wäre falsch zu behaupten, dass die Fliegerei im Ersten Weltkrieg zum ersten Mal militärisch genutzt wurde. Es war aber der Erste Weltkrieg welcher zeigte, dass die Fliegerei in der modernen Kriegsführung unausweichlich ist. Dabei spielte die Schlacht um Verdun eine entschiedene Rolle.

Die Luftstreitkräfte des Ersten Weltkriegs

Bevor wir uns aber dem eigentlichen Luftkampf widmen, bedarf es einer kurzen Erläuterung zur der Fliegerei im Ersten Weltkrieg. Während dieser Zeit entstand eine neue Teilstreitkraft, aber die eigentliche ‚Luftwaffe’ an sich existierte noch nicht. Vielmehr waren Flieger der Armee bzw. in Einzelfällen der Marine unterstellt, sie agierten daher nicht ‚unabhängig’. Nur das britische Pendant wurde noch während des Ersten Weltkriegs, 1918, zu einer eigenständigen Teilstreitkraft, der RAF. Die Fliegertruppe des deutschen Kaiserreichs (auch Luftstreitkräfte genannt), sowie die französische Service Aéronautique machten diese Entwicklung nicht, bzw. erst später mit.

 Dennoch zeigten gerade die großen Schlachten von 1916 die Wichtigkeit einer direkten Kommandostruktur. So wurde im Oktober 1916 der Kogenluft (Kommandierender General der Luftstreitkräfte) direkt unter Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff in die Kommandostruktur aufgenommen. 

Die Luftschlacht an der Verduner Front

Die Schlacht um Verdun katalysierte diese Entwicklung. Aus anfänglichen Experimenten mit Aufklärungsflügen entsteht erstmals eine ernst zu nehmende militärische Komponente welche eine immer größere Rolle spielen sollte. Der Anruf Phillippe Petains bei Charles de Trioconot de Rose, Kommandant des Escadrille M.S. 12, wenige Tage nach Beginn der Schlacht um Verdun, „Ich bin blind, De Rose eröffne mir den Himmel“ (org. Je suis aveugle, Rose balayez-moi le ciel !) könnte in dieser Hinsicht als Startschuss des gegenseitigen Wettrüstens angesehen werden.

Kriegstrophäenausstellung in den Invaliden 1916: Fokker Eindecker

Kriegstrophäenausstellung in den Invaliden 1916: Fokker Eindecker - © BDIC

Gerade auf deutscher Seite erkannte man zur Schlacht um Verdun das Potential von Jagdfliegern zur Ausschaltung feindlicher Flieger. Dazu wurde zum 21. Februar zur Offensive bei Verdun eine große Anzahl von Fliegern bereitgestellt, teilweise in  "Kampfeinsitzer Kommandos" (kurz. KEK) organisiert. Diese Eindecker entsprechen nicht dem typischen Bild des Ersten Weltkriegs, machten aber erfolgreich Jagd auf französische Maschinen. Durch ihr mit dem Propeller synchronisiertes MG hatten sie einen klaren Vorteil gegenüber feindlichen Fliegern.

Dennoch sah man es auf Deutscher Seite nicht, die gesamte militärische Dimension der Fliegerei ; bei Bomben- und Bodenangriffen ging man eher zögerlich und uninspiriert vor. Die Voie Sacrée, Frankreichs einzige Nachschublinie zum Schlachtfeld von Verdun, fand sich während der fast 300 tägigen Schlacht nicht einmal unter konzentriertem Luftangriff. Aus heutiger Sicht ist dies kaum zu verstehen; wie sehr hätten selbst nur ein paar Angriffe auf die Voie Sacrée, eine Straße kaum breiter als ein Feldweg, vollgepackt mit Munition-und Nachschubs Lastwägen, die französischen Kapazitäten an der Front schwächen können.

Die französischen Flieger und Aufklärer - am 21. Februar standen im Raum von Verdun nur 70 Flieger bereit, darunter kaum Jäger - waren Anfänglich fast schutzlos ausgeliefert. Ohne Begleitschutz war es unmöglich Aufklärungsflüge erfolgreich durchzuführen. Schnell entsprangen aus der Not Taten. Neue und moderne Flugzeuge werden angefordert um den deutschen Jägern Einhalt zugebieten. Dabei sind diese so erfolgreich, dass, selbst bei starken Bemühungen, die deutsche Fliegertruppe bis zum Spätsommer 1916 die Luftüberlegenheit verliert. 

Beobachtungsballon, 1916

Beobachtungsballon, 1916 - © Bibliothèque municipale de Dijon

Verdun – Startschuss der modernen Luftwaffe

Nach anfänglichem Verlusten wurden auf beiden Seiten klare Konsequenzen gezogen. Während de Rose schnell neue Nieuports anforderte, seine Aufklärer in Gruppen losschickte und seine Piloten disziplinierte, fand auf deutscher Seite Oswald Boelcke seine ganz eigene Lösung. Neben Max Immelman war Boelcke Anfang 1916 der bekannteste Pilot des deutschen Kaiserreiches. Aus eigener Initiative verlegte er, wie der Gegner auch, eine kleine Gruppe aus Eindeckern nahe an die Front um ein schnelles Abfngen feindlicher Maschinen zu ermöglichen. Nach Immelmanns Tod in den Zwangsurlaub versetzt, benutzte er seinen persönlichen Einfluss um grundlegende Veränderungen in der neuen Waffe anzustreben. Dazu gehörte auch der sofortige Stopp aller hitzköpfigen Alleinflüge. Stattdessen sollte organisiertes Jagdfliegen in einer Gruppe stattfinden. So konnten Verluste, gerade unter erfahrenen Piloten, minimiert werden und neue Piloten sammelten durch den Einsatz an Seite von "Eingesessenen" wertvolle Erfahrung.

Dies wurde bis zum Sommer 1916 immer wichtiger, da die eiligst eingezogenen französischen Nieuports XI die deutschen Flieger, zur dieser Zeit Eindecker und Halberstadts, bis zur Einführung der Albatros DI. Und D.II übertrafen.  Diese Ermöglichten eine neue Offensive gegen die allierte Luftfahrt.

Dabei ging es bei der Schlacht um Verdun nicht ausschließlich um den Luftkampf, Maschine gegen Maschine. Vielmehr war dies nur eine Dimension, dafür aber die neuste. Flieger wurden weiter zur Aufklärung und Erkundung der gegnerischen Streitkräfte benutzt, hinzu kam auch das dirigieren von Artilleriefeuer.  Ballone zählten auch immer wieder zu den Zielen der Flieger. Dem Gegner ‚die Augen nehmen’ war und blieb integraler Bestandteil der militärischen Fliegerei. Dabei war der Angriff auf Ballons nicht so ungefährlich wie er sich anhört. Geschützt durch Flak konnte ein Ballon zu einem riskanten Ziel werden. 

Aus heutiger Sicht mag das Leben der Piloten zur Zeiten des Ersten Weltkrieges, gerade im Vergleich mit der Hölle zu Boden, fast wie Urlaub aussehen. Dazu muss man aber anmerken, dass der Luftkampf, obwohl er statistisch nicht mal einen Bruchteil aller Toten des Ersten Weltkrieges forderte, gewiss kein reines Vergnügen darstellte. Im Gegenteil. Zwar wird  der Kampf von Pilot gegen Pilot, Mann gegen Mann wie in "guten alten Zeiten" bis heute romantisiert aber die Realität sah anders aus. Kaum geschützt,  Maschinengewehrfeuer und den Elementen ausgesetzt und auf eine teils noch unzuverlässige und unvertraute Technik angewiesen riskierten die Piloten ihr Leben. Man darf auch nicht vergessen, dass Fallschirme, obwohl bereits entwickelt und zivil erprobt, den Besatzungen oft erst gegen Ende des Kriegs zur Verfügung standen. 

Thiaumont, Sicht auf Douaumont aus 800m Höhe, 1916

Thiaumont, Sicht auf Douaumont aus 800m Höhe, 1916 - © BDIC

Pilot und Mechaniker des Escadrille C 18, 1916

Pilot und Mechaniker des Escadrille C 18, 1916 - © BDIC

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